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Studentein steht auf einer einsamen Straße zwischen Bäumen zum Thema Versagensangst

Mit Versagensangst umgehen lernen

Versagensangst bedeutet, dass die Angst besteht, in einer bestimmten Situation die geforderte Leistung nicht erbringen zu können. Ob die erwartete Leistung von einer außenstehenden Person oder einem selbst kommt, macht dabei keinen Unterschied. Häufig betroffen sind vor allem überdurchschnittlich ehrgeizige Menschen mit Hang zum Perfektionismus. Da ihre Anforderungen an sich selbst meist sehr hoch sind, haben sie dementsprechend größere Ängste, diesen vielleicht nicht gerecht zu werden.

Perfektionismus und Versagensangst

Der Perfektionismus steht in enger Beziehung zu den Versagensängsten. Sie bedingen und bestärken sich gegenseitig und werden somit zu einem gefährlichen Duo. Mal ist der Perfektionismus der Nährboden für die ein oder andere Angst, mal ist er das Terpentin, welches das Feuer erst zum drohenden Lodern bringt! Perfektionisten sind der festen Überzeugung, dass jedes Versagen ihren sicheren Untergang mit sich bringt. Sei dies in sozialen, beruflichen, privaten oder sonstigen Situationen. Fehler werden vehement vermieden und sofort mit Selbstverachtung oder gar Selbsthass bestraft.

Es ist ihnen so unangenehm, ja, schmerzlich zu versagen, dass sie eine regelrechte Angst davor entwickeln. Diese Angst kann lähmend wirken und das Leben der Betroffenen stark beeinflussen. Denn ein (krankhafter) Perfektionist sieht seine Fehler und Misserfolge überall lauern. Er hat schließlich die Erfahrung gemacht, dass auf sie nur schlechtes folgt. Das hat er sich entweder selbst beigebracht oder es ganz einfach aus seiner Erziehung mitgenommen und dann stetig ausgebaut.

„Fehler sind schlecht“ – aber menschlich

Die feste Überzeugung, dass Fehler per se schlecht sind, ist aus dem Perfektionisten scheinbar nicht mehr heraus zu bekommen. Er lebt sie bereits seit sehr langer Zeit und das Muster hat sich bereits stark verfestigt. Es ist allerdings keineswegs unabänderlich! Die Erkenntnis, dass Fehler nun einmal menschlich sind, kann einen riesigen Unterschied machen. Dazu muss es allerdings erst einmal wirklich ankommen. Es muss ehrlich und wahrhaftig verinnerlicht worden sein. Dabei hilft es nicht wirklich, es rein kognitiv verstanden zu haben.

Außerdem verfügen Fehler über außerordentliche Möglichkeiten, etwas aus ihnen zu machen und vor allem aus ihnen zu lernen. Aus einem Fehler ist immer mehr zu lernen als aus einem Erfolg. Alleine deshalb, weil du es ja bestenfalls vermeiden möchtest, dieselben Fehler immer und immer wieder zu machen. Ist das nicht genau das, was den Perfektionismus schlecht macht? Ja und nein. Es gibt unterschiedliche Arten der Selbstoptimierung. Mit viel Geduld und realistischen Ansprüchen an sich selbst ist dagegen nichts einzuwenden. Gefährlich wird es erst dann, wenn es aus den falschen Gründen betrieben wird. Beispielsweise um Anerkennung oder Lob von anderen zu erhaschen – also das, was man sich selbst zu geben vielleicht außerstande ist.

Gründe für die Versagensangst

Abgesehen vom Perfektionismus kann die Versagensangst allerdings auch von anderen Faktoren abhängig sein. Oft steht beispielsweise die Angst dahinter, die Erwartungen von anderen nicht erfüllen zu können oder deren Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Oder aber die Angst, die eigenen Erwartungen und Ansprüche zu enttäuschen. Viel zu oft liegt es auch am gesellschaftlichen Druck, der einen in die Versagensangst treiben kann. Die Stellung und das Ansehen müssen gewahrt werden. Was sollen denn da die Nachbarn sagen? Die Anerkennung innerhalb der Gesellschaft muss erhalten werden.

Ganz oft stehen hinter der Angst vor dem Versagen sehr viel tiefer gehende Verlustängste. Die Angst besteht dann darin, aufgrund von Versagen die Beziehungen zu wichtigen und geliebten Personen zu verlieren – auch oder gerade wenn dies eigentlich sehr unwahrscheinlich ist. Ein weiterer Grund kann es sein, wenn ein falsches Selbstbild besteht, das aufrecht erhalten werden soll. Das führt zur Selbstoptimierung mit einem Ziel, das unter Umständen niemals erreicht werden kann.

Anzeichen für Versagensangst

Versagensangst lässt sich an einigen Symptomen festmachen:

  • Nervosität
  • Herzrasen
  • Konzentrationsprobleme
  • Schlaflosigkeit
  • Fluchtgedanken
  • Appetitlosigkeit oder übersteigertet Appettit
  • Schweißausbrüche oder schwitzige Hände
  • Blackout
  • Magen-Darm-Beschwerden

Diese Symptome treten meist dann auf, wenn beispielsweise eine Prüfung oder eine Bewerbung anstehen. Also offensichtlich irgendetwas, bei dem es möglich ist zu versagen. Treten diese Symptome auf und sind nicht mehr alleine zu bewältigen, solltest du vielleicht in Erwägung ziehen, psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Versagensangst überwinden

Ängste und angstauslösende Gedanken entkräften

Dazu gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Sie setzen allerdings voraus, dass du dir deiner Ängste relativ bewusst bist oder zumindest feststellen kannst, wann und warum sie gerade auftreten. Eine Übung, um deine angstbestimmten Gedanken zu entschärfen ist es, dir bewusst zu machen, dass es sich gerade lediglich um einen Gedanken handelt. Schießt dir beispielsweise der Satz „ich schaffe das nicht“ in den Kopf trainierst du dich darin, daraus „ich bemerke, dass ich den Gedanken habe, dass ich es nicht schaffe“. Dadurch machst du dir bewusst, dass es sich bei dem Gedanken um nichts weiteres handelt als eben genau das. Ein Gedanke kann dir nichts anhaben, denn er ist lediglich eine subjektiv gefärbte Möglichkeit. Nicht deine Gedanken sind wichtig, sondern dein Handeln.

Mache dich außerdem mit dem Prinzip der selbst erfüllenden Prognose bekannt. Das bedeutet nämlich, dass du genau das erhalten wirst, von dem du ausgehst. Gehst du nun dauerhaft davon aus, bei irgendetwas zu versagen, wirst du wahrscheinlich auch versagen. Das hat weniger mit irgendwelchen überirdischen Kräften zu tun als viel mehr mit der Einstellung, mit der du an Dinge herangehst. Gehst du bereits davon aus zu scheitern, wirst du wahrscheinlich von vorn herein weniger motiviert sein, als wenn du dir denkst, dass es absolut machbar ist. Du versemmelst es dir quasi selbst, denn wenn ein Gedanke zu einer Einstellung oder zu einem Wert wird, bestimmt er dein Handeln.

Du kannst die Versagensangst auch bekämpfen, indem du sie hinterfragst. Mache dir bewusst, dass ein Versagen nicht die schlimmen Konsequenzen mit sich bringt, die du vermutest. Wird sich eine Person, die dich liebt wirklich von dir abwenden, wenn du den neuen Job nicht bekommst? Selbst wenn du die Erwartungen anderer mal enttäuschen solltest, bedeutet das nicht automatisch, dass du im Anschluss von ihnen verlassen wirst. Du solltest dir im Klaren darüber werden, wieso dir die Anerkennung der anderen überhaupt so viel bedeutet. Denn das meist der Kern des Problems. Setzt du dich mit ihm auseinander und verarbeitest ihn, wird sich auch die Versagensangst legen!

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