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Student liegt mit Buch auf der Couch beim Lernen mit der Frage ob Karteikarten oder Zusammenfassung

Karteikarten oder Zusammenfassung: wie lerne ich richtig?

Karteikarten oder Zusammenfassung?

Mediziner- oder Architekten-Party? Mensa oder Cafeteria? Vorlesung oder liegen bleiben? Das Studentenleben ist gekennzeichnet von Fragen. Im Semester alles kein Problem, brenzlig wird es aber dann, wenn der Prof die Fragen stellt – und zwar 90 Minuten lang, schriftlich und im Hörsaal. Sprich: wenn deine nächste Klausur ansteht. Da hilft nur eins: Lernen! Und schon stehst du vor der nächsten Frage: Karteikarten oder Zusammenfassung – was hilft dir wirklich weiter, um Wissen nachhaltig zu behalten?

Erfolgreich lernen

Du kennst sie bestimmt auch: Die Erfolgsstudenten, die in der ersten Reihe sitzen, grundsätzlich „s.t.“ kommen und in jeder Klausur eine eins vor dem Komma schreiben. Zumindest Letzteres ist nachahmenswert. Wenn du sie fragst, wie sie lernen, wirst du wahrscheinlich zwei Antworten am häufigsten hören: mit Karteikarten oder mit Zusammenfassungen.

Ein Bündel Karteikarten

So funktionieren die beiden Varianten:

Karteikarten zur Klausurvorbereitung

Die Karteikarten beschriftest du auf der einen Seite mit einer Frage, einem Problem oder einem Stichwort und auf der anderen Seite notierst du die Antwort. So verfährst du optimalerweise mit allen relevanten Prüfungsinhalten. Im Lernprozess siehst du dir dann die Frage an und rekapitulierst die Antwort aus dem Kopf – die Rückseite dient zur Kontrolle. Alles richtig? Dann wandert die Karte in die Ablage. Noch Verbesserungsbedarf? Dann kommt die Karte wieder in den Lernstapel zurück. Oft kann es helfen, die Antwort laut vor sich her zu sagen, bevor man die Karte umdreht – probier es einfach mal aus.

Zusammenfassungen von Vorlesungsskripten

Stark vereinfacht und ein wenig überspitzt formuliert, besteht ein Skript ja bekanntlich aus den folgenden etwa gleich langen Teilen: wichtige Informationen, schöne Bilder, klausurirrelevante Exkurse (über die freut man sich doch immer am meisten), Quellenangaben und akademische Titel der Autoren. Bei einer Zusammenfassung besteht die Aufgabe nun darin, die relevanten Informationen vom Rest zu trennen und übersichtlich zu notieren. So erstellst du aus einem umfassenden Skript eine komprimierte Lerngrundlage, die du am Tag der Prüfung (und idealerweise danach) nicht als Spickzettel benutzt, sondern auswendig kennst. Dazu liest du die einzelnen Abschnitte regelmäßig durch und kannst, dank deiner Aufarbeitung, Verknüpfungen unter den Themenbereichen erkennen und herstellen. Um die Übersichtlichkeit zu verbessern, darfst du gerne zum Farbstift bzw. Textmarker greifen.

…und was ist besser?

Soweit zur Technik. Damit weißt du aber immer noch nicht, welche Lernmethode für die Uni nun besser ist. Oder gibt es fachliche Unterschiede, also ist die Karteikarte für BWL, der Lernzettel aber für Jura die bessere Variante? Die Antwort, du kennst es aus deinem Studium, ist nicht ganz so einfach. Wie immer zunächst noch mehr Theorie:

Wie funktioniert Lernen?
Im Laufe deines Studiums lernst du viele wichtige Dinge fürs Leben: nie zur Masch-Hour in die Mensa, diskutiere nicht mit Philosophen und die Aussicht aus dem Fenster der Bibliothek vergisst du sicher auch nie. Warum? Weil du das alles (möglicherweise sogar häufig) selbst erlebt hast. Das bleibt hängen. Tatsächlich ist die Evolution des Gehirns nicht in der Vorbereitung zur Mathe-Klausur geschehen, sondern irgendwo in der Wildnis. Da war es nicht sooo wichtig, Koeffizienten zu pauken, sondern eher, sich von bestimmten Tieren und Orten fernzuhalten. Anders ausgedrückt: Die schmerzhafte Begegnung mit einem Krokodil bleibt eher in Erinnerung als die Integration komplexwertiger Funktionen. Also hast du keine Chance, Mathematiker zu werden? Doch: Du musst allerdings so lernen, wie dein Gehirn es gewohnt ist.

Quelle: YouTube

Grundsätzlich sind Hören und Sehen dabei die schwächsten Möglichkeiten, Informationen nachhaltig aufzunehmen (Geh trotzdem ab und zu in die Vorlesung!). Nacherzählen und Erklären sind hingegen besser geeignet, denn auf diese Weise behältst du das Wissen mit höherer Wahrscheinlichkeit. Lass dich doch zum Beispiel von einem Freund abfragen. Du erklärst die Antwort, während dein “Prüfer” diese mithilfe der Lösung auf deiner Karteikarte oder Zusammenfassung überprüft. Am besten wäre es aber tatsächlich, die zu lernenden Informationen durch eigene Erfahrung zu verarbeiten, also zu erleben. Das ist bei einer Klausur über die Entwicklung der Menschheit in den vergangenen 10.000 Jahren allerdings schwierig.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die sogenannte Lernkurve. Diese geht zunächst ziemlich steil nach oben, erreicht ihren Höhepunkt und verflacht mit der Zeit. Um diesem Abflachen entgegen zu wirken, solltest du das Wissen gelegentlich auffrischen. Wiederholungen sind bekanntlich wichtig – bei beiden Methoden.

Bleibt zu klären, über welchen Lernkanal du Informationen am besten aufnimmst. Hier wird zwischen dem visuellen (Aufnahme durch Sehen), haptischen (durch Anfassen), auditiven (durch Hören) und kommunikativen Typ (diesem hilft es, über Lerninhalte zu diskutieren) unterschieden. Jeder Student und jede Studentin lernt also anders. Erfahre hier mehr über die vier Lerntypen.

Stapel alter Hefte

Effektives Lernen = individuelles Lernen

Kommen wir zum Fazit: Der Lernprozess geschieht auf verschiedenen Wegen, die du mit den genannten Methoden beschreiten kannst. Karteikarten haben dabei den Vorteil, dass sie nach dem Prinzip des eigenständigen Erklärens / Nacherzählens funktionieren. Damit bietet diese Variante eine hohe Chance, die aufgenommenen Informationen zu behalten. Allerdings lernst du auf diese Weise immer nur Teilaspekte und vernetzt das Wissen nur gering.

Lernzettel sprechen zunächst vor allem den visuellen Lerntyp an. Das gilt vor allem dann, wenn du den Stoff graphisch ansprechend und übersichtlich aufbereitest. Ein Nachteil ist, dass du keine direkte Prüfmöglichkeit hast, ob du Fragen zu Einzeldetails auswendig beantworten könntest.

Zusammenfassungen oder Karteikarten für die Uni? Am Ende lässt sich die Frage tatsächlich nur bedingt beantworten. Wichtig ist, was du lernen willst und welcher Typ du bist. Reines Wissen bleibt über Karteikarten meist gut im Gedächtnis, einen Überblick über Zusammenhänge verschaffst du dir am besten mit einer Zusammenfassung (Helfen kann hier auch eine Mind-Map). Vielleicht hast du es schon geahnt: Oft ist eine Mischung aus beiden Varianten sinnvoll.

Bei allen Methoden gilt jedoch: Die Zeit, die du für das effektive Lernen aufbringst, sollte wesentlich länger sein als die Zeit für die Vorbereitungen. Ein Negativbeispiel: Wenn du Tage damit verbringst, alle Lernzettel auszumalen und hunderte von Karteikarten zu beschriften, stehst du am Tag der Klausur mit leerem Kopf und voller Tasche da. Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist daher, Karteikarten und Zusammenfassungen für die Uni digital zu erstellen. Das spart dir Stress in der Vorbereitung und lässt dir genug Zeit, um typengerecht für BWL, Jura und Co. zu lernen.

 

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