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Hiwi, Blattlaus als Symbol für den Job

HiWi – Traumjob oder Arbeitssklave?

Was ist ein HiWi?

HiWi leitet sich im Jargon ab vom Begriff Hilfswissenschaftler. Nimmt man es genau, so unterscheiden sich HiWis in Wissenschaftliche Hilfskräfte und Studentische Hilfskräfte an einer Universität. Wissenschaftliche Hilfskräfte sind Studenten, die bereits einen Abschluss haben. Studentische Hilfskräfte sind immatrikuliert, haben aber noch keinen Abschluss.

Die möglichen Aufgabenfelder, die Vor- und Nachteile eines Jobs als HiWi, sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen werden wir in diesem Artikel für euch genauer beleuchten.

Tätigkeitsfelder und Aufgaben

Fest steht, dass HiWis einen großen Beitrag zum reibungslosen Ablauf an einer Hochschule leisten. Je nach Arbeitsvertrag und Weisung sind die Anforderungen an einen HiWi sehr unterschiedlich. HiWis sind Hochschullehrern, Personen mit selbständigen Lehraufgaben oder Wissenschaftlichen Mitarbeitern zugeordnet (§ 46 Abs. 1 Hochschulgesetz).

Viele Tätigkeiten sind eng mit dem Studienfach verwoben und können nur vor Studierenden oder Absolventen des jeweiligen Faches erfüllt werden. Wie beispielsweise:

  • Verwaltungstätigkeiten, die im Rahmen einer Forschung anfallen
  • Korrigieren von Hausarbeiten und Klausuren
  • Betreuung von Tutorien
  • Recherchearbeiten für den Professor
  • Helfertätigkeiten im Labor

Diese typischen Jobs für Studentische Hilfskräfte können von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen ausgeführt werden:

  • Helfer im Rechenzentrum
  • Aufsicht in der Bibliothek
  • Mitarbeit im Sportzentrum

Zwar besteht für alle Stellen als Wissenschaftliche Hilfskraft Ausschreibungspflicht, es kommt aber mitunter vor, dass der jeweilige Professor gezielt Studierende anspricht, die ihm bereits positiv aufgefallen sind.

Vorteile

Der Job nützt für das Studium

Vielen HiWis nutzt der Job für ihr Studium. Sie machen ihn gerne, denn er entspricht ihren Interessen. Die praktische Anwendung der Studieninhalte vertieft und veranschaulicht das Gelernte. Der unmittelbare Kontakt zum (prüfenden) Dozenten ermöglicht es, die ein oder andere Frage vor der Prüfung zu erläutern.

Der HiWi-Job nützt der späteren Karriere

Viele sehen den Job als Grundlage für eine spätere wissenschaftliche Karriere. Für Arbeitgeber liest es sich einfach besser im Lebenslauf, wenn sich Studenten bereits während des Studiums praktische berufsgruppenspezifische Fähigkeiten im Rahmen eines Jobs als HiWi aneignen. Auch mit Brötchen verkaufen oder Regale einräumen lässt sich Geld verdienen, es zeigt dem zukünftigen Arbeitgeber aber nicht so deutlich die Begeisterung für und das Interesse an den Tätigkeiten im eigenen Berufsfeld.

Netzwerk aufbauen

Als HiWi lernt man Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität kennen. Die Vorgesetzten wiederum lernen den HiWi als Mitarbeiter, seine Arbeitsweise und seine praktische Herangehensweise an Aufgabenstellungen kennen. Der so gewonnene Eindruck sagt meist mehr aus, als eine Note im Zeugnis. Macht man seine Arbeit gut, so hat man für spätere Bewerbungen möglicherweise einflussreiche Fürsprecher an seiner Seite.

Nähe zur Uni

Zum einen ist die räumliche Verbindung von Studium und Job tatsächlich ein Vorteil. Man spart Zeit und Geld, da das Pendeln zwischen Uni und Arbeitsstelle entfällt. Auch die Nähe zur Infrastruktur der Uni ist ein Vorteil. Der Job als HiWi erleichtert einem den Zugang dazu, und sei es nur, um den Drucker oder andere Gerätschaften der Uni mal nutzen zu können.

Probleme

Doppelrolle von Arbeitgeber und Prüfer

Solange es bei der Arbeit keine Probleme gibt, spielt die Doppelrolle, die der Vorgesetzte als Arbeitgeber einerseits und Prüfer andererseits ausfüllt, keine Rolle. Bleibst man als HiWi jedoch hinter den Anforderungen seines Arbeitgebers zurück, kann sich das auch negativ auf das Prüfungsergebnis auswirken. Es spielt dabei keine Rolle, ob es an den fehlenden Fähigkeiten des HiWi liegt, oder ob die Anforderungen des Dozenten als Arbeitgeber unangemessen hoch sind.

Befristete Verträge

Die Verträge sind fast immer befristet, in guten Fällen für ein halbes oder ganzes Jahr, oft aber nur für ein paar Monate. Wenn das Vertragsende naht, weiß der Studierende nicht, ob er nächsten Monat, nächste Woche den Job noch haben wird. Die Planungssicherheit und damit auch die finanzielle Sicherheit fehlt. Den Job als HiWi macht man in der Regel, um einen großen Teil seines Lebensunterhaltes damit zu bestreiten. Auf dieses Geld kann kaum einer so einfach von einem Tag auf den anderen verzichten.

Hohe Erwartungen an den HiWi

Von einem HiWi werden flexiblen Arbeitszeiten und Aufopferungsbereitschaft gefordert.

Bei Tätigkeiten außerhalb der Uni ist es einfacher, klare Arbeitszeiten abzugrenzen und Abends den Kopf noch zum Lernen frei zu haben. Bei HiWis ist es oft schwer zu unterscheiden, wo hört das Studium auf, wo fängt die Arbeit an. Und wann ist ausschließlich Freizeit. HiWis sind für ihre Arbeitgeber weit über die vertraglich geregelte Arbeitszeit hinaus greifbar, da sich Studierende zwangsläufig häufig in der Uni und auf dem Campus aufhalten. Manche Vorgesetzte neigen dazu, dies auszunutzen. Auch wenn HiWis in Tutorien eingesetzt werden, ist die Arbeitszeit nicht klar abgrenzbar. Teilnehmer des Tutoriums kommen auch außerhalb der Arbeitszeiten auf einen zu, um brennende Fragen zu klären. Paula Wiesemann vom Netzwerk Wissenschaftsnachwuchs meint dazu:

“Aber einige der Hiwis neigen sicherlich auch von sich aus zur Selbstausbeutung. Nicht zuletzt, weil es ja auch ihr eigenes Forschungsinteresse ist, für das sie arbeiten; und weil sie, solange es gut läuft, eine Reihe von Vorteilen darin sehen.”

Rechtliche Grundlagen

HiWis sind geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer und dürfen nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Meist laufen die Arbeitsverträge über ein Semester, maximal aber über sechs Jahre. HiWi-Verträge enden automatisch bei einer Exmatrikulation.

Es gibt keine einheitliche Bezahlung, die Verträge sind nicht tarifgebunden.

Für HiWis gelten die gesetzlichen Regelungen für Urlaubsanspruch, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Mutterschutz, Arbeitsschutz, Unfallversicherung und Recht auf ein Arbeitszeugnis. Leider wissen das viele nicht, und viele Unis scheinen kein großes Interesse an einer ehrlichen Aufklärung zu haben.

Da besonders bei HiWi-Verträgen durch Personalunion von Arbeitgeber und Prüfer immer eine gewisse Abhängigkeit besteht, wäre eine eigene Interessenvertretung für die studentischen Hilfskräfte dringend erforderlich. Der Personalrat einer Uni ist nicht für sie zuständig, und als Studierender eigenständig gegen den Lehrstuhl seine Rechte durchzusetzen ist ein mehr als schwieriges und riskantes Vorhaben.

Fazit

Der Job ist für die meisten HiWis mehr als bloßes Geldverdienen. Die praktische Erfahrung bringt Vorteile für das Studium, die persönliche Weiterbildung und die bevorstehende Karriere. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sind HiWi-Jobs sehr reizvoll. Problematisch wird das Arbeitsverhältnis, wenn Differenzen auftreten und/oder die Anforderungen der Arbeitgeber unangemessen sind. Dann kommen die hierarchischen Strukturen zur Geltung, der HiWi hat kaum eine Chance, sein Recht durchzusetzen.

Letztlich muss sich das Bewusstsein durchsetzen, dass es ohne HiWis nicht geht. Sie sind maßgeblich daran beteiligt, dass der Laden läuft.

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