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Meine Meinung- keine Meinung

Meinungsbildung in Zeiten des World Wide Web

Zu Zeiten des World Wide Web ist es ein Leichtes, an Informationen aller Art heran zu kommen. Die Krankheit des gefährlichen Halbwissens war wohl selten so verbreitet wie in der heutigen Zeit. Und sie ist infektiös wie nie. Alles, was im Internet steht, hat seine Daseinsberechtigung. Und wenn sich jemand schon die Mühe macht, dazu einen Beitrag zu verfassen, muss da ja auch definitiv etwas Wahres dran sein. Jedermann hat zu einfach allem eine Meinung und darf, nein, muss sie kundtun. Denn ohne einen möglichst empörenden Auftritt mit einer verstörend andersartigen Meinung als alle anderen, kann man heut zu Tage in der Öffentlichkeit keinen Fuß mehr fassen.

Informationen finden und nutzen ist ein wirklich tolles Konzept. Ich kann nur sagen, ich bin Fan. Aber ich frage mich, wie um alles in der Welt der Mensch von nebenan, der sonst einen Horizont mit der Weite des Durchmessers einer Untertasse besitzt und für den alle nicht-deutschen gleich sind, plötzlich eine so differenzierte Meinung über Politik und Wirtschaft oder über den neuesten Skandal in der Naturwissenschaft auspacken kann.

Natürlich, auch er ist in der Lage den besten Freund des Studenten, oder besser Studierenden, Wikipedia, um Rat zu fragen. Wenn ich aber bedenke, wie lang und wie voll mit Fachwörtern politische, wirtschaftliche, naturwissenschaftliche Artikel sind und wie viel Zeit man investieren müsste, um sie verstehen und sich eine differenzierte Meinung bilden zu können, so wird mir recht schnell klar: Diesen Satz hat er irgendwo aufgeschnappt, annähernd verstanden und sich als seine Meinung für den Fall eines Falles zurecht gelegt. Es kann ja immer mal passieren, dass man bei uns auf dem Dorf gefragt wird, wie man eigentlich zum Thema genom editing steht. Beziehungsweise wieso man der Meinung ist, dass das definitiv verboten gehöre, weil dadurch Kühe mit drei Beinen entstünden.

Meinungsäußerung in Communities

Auch wenn man sich durch diverse Facebook-Gruppen klickt wird einem auffallen, wie unerbittlich der Machtkampf um die eigene Meinung geworden ist. Jeder darf sie haben. Das steht so offen in den Gruppenregeln.

Aber ungeschriebenes Gesetz ist auch: Wenn deine Meinung Kritik an meiner Einstellung äußert, so behalte sie doch bitte für dich. So kann das Verlangen, seine Meinung oder eben einfach nur sein Dasein zu berechtigen, ganz schnell in eine Diskussion apokalyptischen Ausmaßes ausarten. In dieser erzürnen sich alte, einsame Frauen in einer Hundegruppe darüber, dass der Hund eines Anderen die Haare 2 cm zu lang trägt oder dringend mal wieder gewaschen gehört. Und so oder so sind alle immer die tendenziell schlechteren Hundemamas, Politiker, Naturwissenschaftler oder einfach nur schlechtere Menschen als man selbst. Denn der Respekt vor dem anderen gehört der eigenen Meinung ganz klar untergeordnet. Wir leben in einer Demokratie, da ist freie Meinungsäußerung bis hin zum äußersten angesagt, das haben wir uns hart erkämpft. Die Menschenwürde ist da doch deutlich weniger wert und auch die Erziehung kann in diesem Fall erheblich vernachlässigt werden, denn Meinung ist alles was zählt.

Ich frage mich immer wieder, wie Menschen der Öffentlichkeit sich in der Lage fühlen, ihre Meinung abzugeben und so Streit zu sähen über ein Thema, für das selbst Experten, die diese Fachrichtung studiert haben, noch keine eindeutige Meinung abgeben können. Wie ein normaler Mensch über alle möglichen Themen so differenziert Bescheid wissen und nachgedacht haben kann, dass er in der Lage ist sich eine Meinung zu bilden. Wo nehmen die nur die ganze Zeit und Motivation her, all diese Themen zu studieren und sich dort hineinzudenken? Und haben diese Menschen eigentlich keine eigenen Probleme?

allgemeines Allgemeinwissen

Mir wird häufig gesagt, gerade wenn ich in Kreisen mit philosophierenden betrunkenen Studenten zusammensitze, dass ich ein absolut mangelndes Allgemeinwissen habe. Dies sei der Grund dafür, dass ich mir keine Meinung bilden und nicht mit „streiten“ kann.  Für mich steckt in dieser Aussage schon der Fehler des Systems. Ich habe wie alle anderen Allgemeinwissen. Aber das ist so allgemein, wie der Name schon sagt, dass ich nur begrenzte Informationen zu einem Thema aufbringen kann. Begrenzte Information bedeuten für mich begrenztes Wissen und das resultiert in einer einseitigen Entscheidungsfindung. Das ist frustrierend, gerade in einer Welt in der eine Meinung so unglaublich viel Wert ist. Aber eben auch in einer Welt, die informationsüberflutet ist.

Für mich ist unfassbar anstrengend, immer für alles eine Meinung parat haben zu müssen, um als aufgeklärter, differenziert denkender Mensch wahr- und ernstgenommen zu werden. Dabei ist es doch auch mal ganz schön, die Meinungsfindung den Leuten zu überlassen, die sich tag täglich damit auseinandersetzen und dieses Themengebiet im Zweifel studiert haben. Damit will ich nicht sagen, dass man alles blind, taub und stumm einfach so hinnehmen sollte. Aber man muss auch nicht das Rad neu erfinden, nur um Gehör und Aufmerksamkeit in der Community zu erfahren.

Bei sich selbst anfangen

Ich finde, es ist absolut nichts Schlimmes dabei, wenn einem ein paar Sachen auch einfach mal egal sind. Man muss sich nicht den Kopf über Sachen zerbrechen, die man eh nur zur Hälfte versteht. Wenn man sich vielleicht erst mal auf sich und seine direkte Umgebung konzentriert und schaut, wie viel man davon hält und versteht. Ja, man will die Welt verstehen und verändern, aber vielleicht ist es gar nicht mal so blöd bei sich selbst anzufangen. Denn gerade die Menschen, die zu allem und jedem eine so wichtige und hörenswerte Meinung haben, haben oft gar keine differenzierte Meinung zu sich selbst.

Ich denke, man muss nicht zu  allem eine Meinung haben, aber das ist nur meine Meinung 😉

Und wie seht ihr das ? Schreibt uns eure Meinung 😉

Über Bienchen

Bienchen *
Eine Seele mit Hirn auf der Suche nach dem großen Ganzen und dem Sinn hinter scheinbar unwichtigen Kleinigkeiten.

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