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Mann hält eine leuchtende Glühbirne in den Händen - Warum eine Krisen keine Chance ist.

Das eigene Business – Krisen sind selten Chancen

Schon mal daran gedacht, eine eigene Firma zu gründen? Nein? Wenn du der Typ dafür bist und eine lebensverändernde Erfahrung machen möchtest, dann ergreif die Chance! Denn eines ist sicher: du kannst dir das Spektrum der auftretenden Gefühle nicht vorstellen – auch wenn du noch so viele Bücher gelesen oder Jahre studiert hast. Auch wenn deine Eltern unternehmerisch tätig sind und du im Firmenumfeld groß geworden bist, weißt du nicht um das Spannungsfeld zwischen Erfolg und Misserfolg und auch nicht um das hohe Maß an Freiheit wie auch an Selbstverantwortung, die eine solche Entscheidung mit sich bringt.

Wenn du also die Chance hast, dein eigenes Ding zu machen, dein eigenes Business zu gründen und aufzubauen, tu es, wenn auch mit Bedacht!

Geld verdienen mit heißer Luft?

Das Netz ist voll von sogenannten Coaches, respektiven Motivationstrainern, ihres Zeichens zumeist “lebenserfahrene” 25-Jährige, die oft weder ein abgeschlossenes Studium noch eine aussagekräftige Berufserfahrung vorzuweisen haben. Dabei treiben sie Handel mit E-Books, gefüllt mit ihrer Lebenserfahrung, zitierten Weisheiten und Halbwahrheiten, zumeist irgendein dubioses Online-Business betreffend. Letzteres wird zudem eher selten näher beschrieben. Dafür möchten sie dir aber voll selbstloser Freigiebigkeit zu nichts anderem als zu maximalem Erfolg verhelfen.

Eine eingehende Recherche vergleichbarer Kandidaten zeigt relativ schnell ein wiederkehrendes Muster – es wird viel geredet und dabei nichts gesagt. Ihre obligatorischen YouTube-Kanäle, auf denen sie sich gegenseitig interviewen, machen es möglich. Gerne schmückt man sich in den Interviews auch hin und wieder mit echten Unternehmern, um den Schein zu wahren. Wahlweise stehen sie zur Verkündigung ihrer Botschauft auf einer Bühne oder in einem Seminarraum, voll mit ihren leichtgläubigen Opfern. Diese zahlen traurigerweise auch noch Geld für die Illusion, sich Motivation kaufen zu können.

Zieht einer von ihnen richtig vom Leder, begnügt man sich nicht mit einem sterilen Seminarraum, sondern cruist “standesgemäß” in einer Luxuslimousine durch eine unserer Medienhauptstädte. Dem Kanal-Abonnenten werden dann während der Fahrt die goldwerten Erkenntnisse vermittelt. Abonnierst du den Kanal, erwirbst das E-Book des Protagonisten und hältst dich strikt an die darin enthaltenen Anweisungen, so ist der Erfolg im Grunde unabwendbar – so möchte man dir es zumindest weismachen. Ihre YouTube-Videos zieren Überschriften wie z.B. “Wie du 200 Euro am Tag im Internet verdienst” und betreiben damit Clickbaiting vom Feinsten.

Natürlich gibt es Geschäftsmodelle bei denen solche Umsätze im Netz möglich sind, jedoch bleibt es bei besagten Kandidaten bis zum Schluss oft ein Rätsel, durch welche Tätigkeiten sich der proklamierte Erfolg einstellen wird.

Aber wer wird denn bei solchen Versprechen schon so kleinlich nachfragen, nicht wahr? Davon abgesehen frage ich mich ernsthaft, warum sollte ich einer breiten Masse die Details zu meinem wirtschaftlichen Erfolg verraten?

Blender im Netz sind leicht zu entlarven

Lass dich weder täuschen noch entmutigen. Die Kohle dieser Blender kommt dabei meist von der Bank oder deren Eltern. Hört man ihren Predigten zu, die einzig und allein ihrem Selbstzweck dienen und stimmt man deren Inhalte mit den Fakten ab, dann steht eines bombenfest: Wenn du dir die Mühe machst, ein Buch zu lesen, eine Stunde zu googeln oder am besten gleich ein Praktikum in einer Firma zu absolvieren, hast du die Chance auf mehr anwendbare Fakten.

Fakt ist, Erfolg bedeutet einzig und allein, den  Willen zu arbeiten und dabei wird es NICHT automatisch jeden Tag einfacher und weniger, wie die oben genannten Dampfplauderer vorhersagen, nein! Willst du in unserem System den zweifelhaften Olymp des wirtschaflichen Erfolgs erklimmen, arbeitest du rund das Doppelte eines “normalen” Angestellten mit einer 38-Stunden-Woche. Leider gehört man laut McKinsey mit 60 Stunden pro Woche zwar immer noch zu den “Minderleistern”, aber lassen wir die Kirche einfach mal im Dorf, würde ich sagen. 😉

Aus eigener Erfahrung zweier Gründungen weiß ich, zwischen 60 und 80 Stunden sind die Regel. Man steht mit seinem Geschäft auf und geht damit ins Bett, in guten wie in schlechten Zeiten. Alles andere ist Träumerei, Verwaltung, Beamtentum oder Angestelltenverhältnis. Diese Bereiche mögen alle ihre Berechtigung haben, sind aber in keinem Punkt mit ernsthaftem Unternehmertum und dem Tragen des eigenen Risikos sowie der einhergehenden Verantwortung zu vergleichen.

Die Chance Fehler zu vermeiden

Klingt aufwändig und stressig? Ist es auch. Und es wird umso komplizierter, wenn du dieses komplexe Thema mit folgenden Fehlern beginnst:

  • Auswahl des falschen Gründungspartners
  • Auswahl unqualifizierter Teammitglieder
  • Verzicht auf einen Businessplan
  • Fehlende Marktrecherche als Teil des Businessplans
  • Unterschätzen der nötigen Vertriebsaktivitäten (fehlende Reichweite und fehlendes Netzwerk)
  • Verschleppen der resultierenden Fehler
  • Unfähigkeit zum passenden Zeitpunkt aufzuhören

Im Detail

Auswahl des Partners

Um auf die Fehler, die man vermeiden kann, im Detail einzugehen, starten wir mit einem der wichtigsten Punkte, der Auswahl des Partners. Sollte sich keine Chance auf einen vermeintlicher Partner nicht aus der Ideenfindung heraus ergeben, also kein berechtigter Grund zur Beteiligung eines Dritten bestehen, spricht nichts gegen eine alleinige Gründung! Es geht hier um Firmenanteile, je mehr man davon halten kann, desto besser. Gibt es einen Grund für einen Partner, dann sollten die Rechte und Pflichten vertraglich klar geregelt sein. Insbesondere sollte man hier auf jene Punkte achten, die man nur ungern bespricht. Nämlich z.B. was im Falle eines Scheiterns der Geschäftsbeziehungen und der folgenden Trennung passiert. Die Chance auf eine faire Abwicklung für alle Parteien ist hier das oberste Gebot.

In diesem Kontext ist auch die Auswahl der passenden Gesellschaftsform entscheidend. Hier können und müssen Anwalt/Notar und Steuerberater umfassend beraten, ob eine UG (“kleine GmbH”), GmbH oder eine GmbH & Co. KG die richtige Wahl darstellt. Zum Start, insbesondere bei einer Sologründung, kann oft auch ein Einzelunternehmen ausreichend sein, jedoch haftet man bei dieser Variante stets mit seinem gesamten Vermögen. Auch bei einem potentiellen Einstieg eines Investors zur Frühphase oder einem späteren Zeitpunkt, ist diese Gesellschaftsform oft nicht mehr ausreichend.

Auswahl des Teams

Dicht gefolgt von der Auswahl des Partners, ist die Zusammenstellung derer Leute, mit denen man in den kommenden Jahren zusammenarbeiten möchte. Die Kosten für Personal und Entwicklung verschlingen zu Beginn einer Firmengründung die meisten Kosten. Egal, wie viele Programmierer, Vertriebler oder Leute fürs Marketing man am Anfang benötigt, soll sich der Kosteneinsatz lohnen, ist es umso wichtiger, das Team nach seinen expliziten Fähigkeiten und Fertigkeiten zusammenzustellen! Achtung: Freundschaft ist in wirtschaftlicher Hinsicht keine Qualifikation. Ebenso wenig sollten Teammitglieder (nur) aus diesem Grund eingestellt werden!

Erarbeitung des Businessplanes

Die Erarbeitung des Businessplans könnte hier natürlich auch an erster Stelle genannt werden. Geht man davon aus, dass es sich um eine Team-Gründung handelt, dann ist es jedoch die Sache aller Teammitglieder, sich an der detaillierten Konzeptentwicklung zu beteiligen. Der Businessplan ist der Fahrplan einer jeden Unternehmensgründung. Er beschreibt die konkreten Rollenverteilungen eines jeden Mitstreiters mindestens innerhalb der ersten 3-5 Jahre. Erst wenn der Businessplan fertig ist, man nach Abwägen aller relevanten Faktoren einen eindeutigen USP erarbeiten und die Risikofaktoren auf ein Minimum reduzieren konnte, sollte man die Gründung wagen.

Auf ein zu frühes “Jetzt fangen wir einfach mal an” sollte man zwingend verzichten!

Der Plan beinhaltet eine ausführliche Beschreibung der Geschäftsidee, das Profil der Gründer sowie eine Beschreibung des kompletten Teams.
Um den Mitbewerb und somit die grundsätzliche Chance des Geschäftsmodells analytisch darstellen zu können, ist eine Markt- und Wettbewerbsanalyse essentiell. Dies sind auch diejenigen Faktoren, nach denen die Kreditvergabestelle einer Bank oder auch ein möglicher Investor ihre Risikoeinschätzung ableiten und daraufhin ihre Entscheidungen treffen.

Schon oft hat man gehört, dass Investoren aus guten Gründern und einer mittelmäßigen Idee eher ein brauchbares Geschäftsmodell machen können, als aus einem schlechten Team und einer guten Idee. Jedoch sollte die Geschäftsidee immer folgenden Fragen gewachsen sein:

  • Was ist der USP (Unique Selling Proposition), also was ist der originäre Nutzen, den der Kunde von meinem Produkt/meiner Dienstleistung etc. hat?
  • Ist der USP patentfähig oder eher schwammig und auf ein schmales “time to market”-Fenster begrenzt?
  • Durch was entsteht der Wettbewerbsvorteil/USP und wie leicht ist dieser Vorteil durch etwaige Mitbewerber aufzuholen bzw. kopierbar?
  • Habe ich die nötige Vertriebsstärke, um mein Angebot überhaupt in der Zielgruppe zu verbreiten?
  • Ist der Kunde bereit den angesetzten Preis dafür zu bezahlen?

Sind diese Punkte alle positiv zu beantworten, dann ist im nächsten Schritt ein durchdachter Finanzplan vonnöten, um aufzeigen zu können, welche Mittel innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zur Zielerreichung notwendig werden.

Tipp: Präsentiere deine Vorstellung bitte nur dann, wenn du sie selbst nicht für völlig abstrus hältst und handle grundsätzlich nach der Faustregel “wenn du selbst nicht die nötigen Kernkompetenzen für dein Businessmodell besitzt, dann lass die Finger davon!”

100 % Identifikation oder gar nicht

Wir sehen also, es gibt Mittel und Wege, um Fehlerquellen zu entdecken und ihre Folgen zu minimieren. Selbstverständlich bin ich hier auch nur rudimentär auf die Inhalte eines Businessplans eingegangen, aber einen wesentlichen Punkt möchte ich noch anfügen und zwar: Eine Gründung erfordert “100%iges Commitment”. Das bedeutet nichts anderes, als dass man sich voll und ganz auf die Konzeptionierung, Gründung und Ausführung des Firmeninhaltes zu konzentrieren hat und zwar 24/7.

Es ist undenkbar, dabei auf mehreren Hochzeiten gleichzeitg zu tanzen. Es ist also ein Irrglaube, der selten zur Realität wird, dass ich meinen Job als Angestellter so lange behalte, bis mein Start-up rund läuft. Denn dann bin ich, womöglich aus gutem Grund, nicht davon überzeugt. Stehen wir mit dieser Tatsache u.a. vor einer Investorgruppe, wie man sie aus dem VOX-Format “Die Höhle der Löwen” kennt, so müssen wir uns eben diese Frage gefallen lassen und die Chance eines Invests gehen bei falscher Beantwortung ganz schnell gegen 0. Man investiert eben nur ungern 100.000 Euro oder mehr in eine Halbtags-Idee bzw. in Halbtags-Gründer.

Alle Fehler gemacht und aus der Krise gestärkt hervorgehen?

Klar, selbst gemachte Fehler sorgen für den maximalen Lerneffekt, doch unser Gehirn ist grundsätzlich dazu in der Lage, auch von anderen zu lernen, um unnötige Fehler zu vermeiden – warum also diese Chance nicht nutzen? Es zeugt nicht von Intelligenz, wenn wir ständig versuchen das Rad neu zu erfinden, wohl aber, wenn wir auf den Erkenntnissen anderer aufbauen und daraus neue Ideen generieren. Dazu muss mir auch bewusst sein, dass es nicht wirklich viel Neues gibt, die Kunst liegt darin Bestehendes in neue Zusammenhänge zu bringen.

Was passiert nun, wenn wir es trotzdem als sinnvoller erachten, alle Fehler selbst zu machen? Dann fahren wir mit Ansage gegen die Wand, ganz klar. Wir verstricken uns und alle Beteiligten in eine Krise und sorgen mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Scheitern unseres Start-ups. Damit auch für den Verlust unseres Invests in Form von Zeit und Geld.

Kehren wir nun zu den eingangs genannten “Weisheiten” und “Phrasen” zurück, mit denen man sich das Leben, zeitlich begrenzt, schön reden kann. Eine meiner Liebelingsphrasen lautet

“Was dich nicht tötet, macht dich härter!”

oder in abgewandelter Form

“Aus jeder Krise geht man gestärkt hervor.”.

Was für ein unglaublicher Blödsinn! Hattest du schon mal eine richtig schöne Grippe mit Fieber, die dich tagelang ans Bett gefesselt hat? Du hast keinen Appetit, der Körper schmerzt an allen Ecken und Enden und erst nach einer guten Woche beginnst du dich langsam zu erholen. Du gehst das erste Mal wieder an die frische Luft, ein paar Meter spazieren ums Haus. Würdest du in dieser, nennen wir sie “frühe Phase der Genesung”, also direkt nach einer schweren körperlichen Krise, einen Marathon laufen? Der Theorie nach müsstest du dazu in der Lage sein, denn du gehst ja aus einer Krise gestärkt hervor und nicht etwa geschwächt, richtig? Auch nach abgeschlossener Genesung bist du nicht stärker, sondern im besten Fall wieder so fit wie vorher. Übertragen wir das Beispiel auf eine beinah gescheiterte Firmengründung.

Welche Krise macht uns wirklich stärker?

Etwa diejenige, die mich 6 Jahre Arbeitseinsatz und 500.000 Euro gekostet hat? Die mich und meine Familie sowie meine Mitarbeiter und deren Familien zeitlich und emotional massiv belastet hat? Ich würde nicht sagen, dass man aus solchen Krisen gestärkt hervorgeht, im Gegenteil. Man wird traumatisiert, wird vorsichtiger und zweifelt an sich selbst und der eigenen Urteilsfähigkeit. Von den schlaflosen Nächten und den stressbedingten Beeintächtigungen der körperlichen Gesundheit, möchte ich gar nicht reden.

Wenn man diese Phrase überhaupt mit etwas Sinn aufladen möchte, sind dazu wesentliche Zwischenschritte notwendig. Einer davon ist sicherlich, die Krise erstmal anzunhemen und sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Dies bedeutet ein hohes Maß an Selbstreflektion und Demut. Denn wer gibt schon eigene Fehler gerne zu, egal ob sich selbst oder anderen gegenüber? Aus diesem Prozess heraus kann dann langsam die Chance erwachsen, das Trauma zu verarbeiten. Nicht selten ist hierzu auch professionelle Hilfe eines qualifizierten Coaches notwendig. Im besten Fall erwächst daraus im Laufe der Zeit eine neue Motivation, die zum einen die begangenen Fehler kennt und nicht wiederholen möchte und zum anderen den ursprünglichen Gründergeist wieder aufleben lässt. In vielen Fällen jedoch führt der Weg auch zurück in ein geregelte Angestelltenverhältnis.

Zusammenfassend kann man also festhalten, lieber im Vorfeld etwas aus den Fehlern anderer lernen, bedacht und strukturiert vorgehen, als sich auf Phrasendrescher und Blender zu verlassen. Die trösten einen nämlich nicht, wenn es dann zu spät ist.

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