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Generation Beziehungsunfähig

Generation Beziehungsunfähig

Wir wundern uns, warum wir ständig dieses Gefühl der Unzufriedenheit mit uns selbst verspüren; warum wir anscheinend nicht mehr in der Lage sind, eine feste Beziehung zu führen, beziehungsunfähig sind. Stattdessen hängen wir auf Tinder & Co. rum, swipen uns dumm und dämlich – und sind einfach nicht mehr dazu im Stande, uns zu binden. Ist ja aber auch kein Wunder, oder? Denn als Single kriegst du ja auch ständig von allen Freunden die Ohren voll geheult, die sich dann doch an eine feste Beziehung ran gewagt haben.

Da finden ständig irgendwelche Machtkämpfe statt, irgendwer ist immer unzufrieden oder fühlt sich ungerecht behandelt. Natürlich habe ich da keine Lust auf eine Beziehung! Mein Leben ist so schon stressig genug. Jeden Tag schlägt man sich doch mit irgendwelchem unnötigen Zeug rum. Das reicht vollkommen aus. Oder?

Beziehungsunfähig – Irgendetwas fehlt

Doch irgendwie ist da dauernd dieses Gefühl der Unvollständigkeit. Ich merke, dass mir in meinem sonst sehr zufriedenstellenden Leben irgendetwas fehlt. Die Überlegung, dass es sich bei diesem unbestimmten Etwas um einen Partner handeln könnte, liegt nah. Ich habe eigentlich keine Lust mehr, mich ständig auf irgendwelche Dates einzulassen, die am Ende – wenn überhaupt – in einer Freundschaft Plus enden. Aber warum enden sie überhaupt dort? Sind wir Twentysomethings wirklich völlig beziehungsunfähig? Und wenn ja, warum?

Kompromisse? Fuck it!

Wir sind es gewöhnt, zu bekommen was wir wollen. Wann wir es wollen. In einer Zeit, in der die eigenen Bedürfnisse auf Knopfdruck gestillt werden können, ist niemand mehr kompromissbereit. Du willst ein Date? Schreib irgendeinen Kerl auf Tinder an: Date gebongt. Du willst neue Schuhe? Klick dich kurz bei Amazon durch, ab in den Warenkorb: Schuhe gebongt. Du willst in Urlaub fliegen? Auf eine beliebige Billigflieger-Website, Buchung mit Klick bestätigen: Urlaub gebongt. Alles ist so einfach und auf Kommando erreichbar geworden, dass wir es schlicht und ergreifend nicht mehr gewöhnt sind, für etwas zu arbeiten. Wir sind medial verwöhnte, verzogene Halb-Erwachsene mit dem Geduldsfaden eines 3-jährigen.

Sobald wir für etwas wirklich arbeiten oder intensivst viel Zeit investieren müssen, ist es uns zu blöd und wir machen es einfach nicht. Tja, blöd nur, dass so eine Beziehung zu einem anderen Individuum mit den gleichen Problemen, wie wir sie haben, nun einmal zeit- und vor allem arbeitsaufwändig ist. Es ist kein Witz, wenn jemand sagt, dass eine ernsthaft geführte Beziehung durchgehend das Arbeiten an sich, mit sich und mit dem Partner bedeutet. Ich muss in dem Zusammenhang oft an meine Omi denken, die mal gesagt hat: “Weißt du, früher haben wir Dinge noch repariert, als sie kaputt waren.”

In diesem Sinne, vielleicht sollten wir manches einfach als weniger selbstverständlich nehmen, sondern mehr dafür tun. Dann stellt sich auch ein Gefühl der Zufriedenheit ein.

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