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Neugierde - Ausblick genießen über die Skyline

Neugierde – wie Begeisterung uns leistungsfähiger macht

Oft merken wir uns gerade das, was uns besonders interessiert. So kennen Fußball-Begeisterte manchmal die Spielstände von vor 10 Jahren und Serien-Fans können die Charaktere ihrer Lieblingsfolgen sowie deren Biografie auswendig aufsagen. Es ist diese Neugierde, die spezifische Regionen im Hippocampus des Gehirns aktiviert und damit Bereiche anregt, die für unsere Merkfähigkeit besonders relevant sind. Interessantes wird nicht nur leichter in das Gedächtnis eingebaut, sondern bleibt als erinnerbare Information auch länger im Gehirn erhalten.

Neugierde – Der Wunsch, mehr wissen zu wollen

Welche Rolle die Neugierde spielt, zeigt, dass schon Kinder, die ein breites Spektrum sozio-emotionaler Fähigkeiten entwickelt haben, in der Schule im Allgemeinen besser abschneiden. Zu diesen Fähigkeiten gehören Entdeckung, Vorstellungskraft, Ausdauer, Aufmerksamkeit für Aufgaben und die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen sowie Gefühle zu managen. Kinder mit mehr Vorstellungskraft setzen sich selbstbewusster mit Neuem auseinander und können auch auftretende Probleme besser bewältigen. Ihnen fällt es leichter, Wissen zu erwerben, weil sie an einen größeren bereits vorhandenen Wissensschatz anknüpfen können.

Insbesondere die Neugierde leistet dabei einen signifikanten Beitrag zur schulischen Leistung. Die Beziehung zwischen der Neugierde eines Kindes und seiner schulischen Leistung steht in keinem Zusammenhang mit dem Geschlecht des Kindes oder dem Grad seiner Selbstregulierung. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst wenn ein Kind sich nur wenig anstrengt, eine hohe Neugierde mit besseren schulischen Leistungen verbunden sein kann. Es kommt damit nicht nur auf die reinen intellektuellen Fähigkeiten eines Kindes an, sondern auch darauf, wie dieses sich neues Wissen erschließt und ob es dabei mit Begeisterung handelt.

Quelle: Giphy

Erfolge im ganzen Leben

Auch später im Leben beeinflusst die Neugierde schulische sowie akademische Leistungen. Ein Forscherteam der University of Edinburgh betrachtete diesen “Hunger auf das Entdecken” und wollte herausfinden, wie genau Neugierde akademische Lernerfolge prägt. Bekannt war aus vorhergehenden Untersuchungen, dass vor allem Intelligenz und Gewissenhaftigkeit positive Leistungen vorhersagen. Im Rahmen einer Meta-Analyse, in die über 200 Studien zu diesem Thema einbezogen wurden, analysierten die Forscher die Daten von mehr als 50.000 Studierenden und konnten den Einfluss der Neugierde auf die akademische Performance bestätigen. Diese Effekte waren sehr bedeutsam und entsprachen in etwa der Größenordnung, in der Gewissenhaftigkeit Einfluss auf Leistungsergebnisse nimmt. Die Kombination von Neugierde und Gewissenhaftigkeit oder Pflichtbewusstsein entsprach sogar dem Effekt der Intelligenz.

Kreatives Denken fördern

Wenn Neugierde und das Interesse für Dinge die Lernleistung positiv beeinflussen, kann es sinnvoll sein, genau diese Eigenschaften auch gezielt zu üben und zu trainieren. Möglich ist dies etwa über Tagträume, die keineswegs nur bloße Lückenfüller im Tagesablauf sind, sondern kreative Gedankenexperimente, die wertvolle Einsichten oder Inspirationen liefern können. Mit der Frage “Was wäre wenn…” gelingt der Einstieg in solch eine mentale Auszeit. Genauso hilfreich ist das Entdecken völlig neuer Perspektiven, durch das Verlassen der sozialen Blase – Menschen kennenlernen, die ganz anders sind, neue Literatur lesen, sich mit Dingen beschäftigen, die das Gegenteil des bisher Bekannten darstellen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten und trägt zukünftig dazu bei, Probleme aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Wer auf diese Weise Horizonte erweitert, nutzt nicht nur die reine Intelligenz, also das logische Denken, sondern findet auch leichter völlig neue Wege, die aus dem mit Neugier erworbenen Wissen abgeleitet werden.

In diesem Sinne, bleibt neugierig!

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